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Liebe Leserinnen und Leser,
es gibt nur einen bekloppteren Nicht-Feiertag als
Halloween in Deutschland – und das ist der Valentinstag. Aber weil
die amerikanische Tradition es so will, schreibe ich heute keinen
klassischen Newsletter für Sie, sondern einen echten Liebesbrief.
Bitte sehen Sie es mir nach: Er könnte Spuren von Ironie beinhalten.
Los geht‘s.
Liebe Bundesregierung,
es mag überraschend für Sie kommen, aber ich gestehe
Ihnen an dieser Stelle gerne und in aller Aufrichtigkeit meine
Zuneigung. Mit ihrem Amtseid haben Sie sich auch einen Platz in
meinem Herzen geleistet. Meine Gefühle für die beschworene
Liebes-Koalition aus SPD, Grünen und FDP sind so nachhaltig wie Ihre
Pläne zum grünen Umbau der Wirtschaft. Beim Gedanken an die
Energiewende flimmert mein Herz so wunderbar wie eine Glühbirne in
der Dunkelflaute.
Rieche ich an einem frisch ausgedruckten
Gesetzes-Entwurf oder Strategie-Papier aus Ihren Federn, so überkommt
mich die Erinnerung an einen Barfuß-Spaziergang über eine frisch
gemähte Blumenwiese. Die Ampel gibt mir eine Energie, die unser
Stromnetz mir nicht mehr zu garantieren vermag.
Lassen Sie sich nichts einreden: Was sich liebt, das
neckt sich. Das Volk mag in diesen Stunden noch so unzufrieden mit
Ihnen sein – irgendwann werden die Menschen schon noch die
großartigen Ideen hinter Ihren Plänen verstehen.
Liebe Ministerinnen und Minister der Bundesregierung,
mit der Zeit habe ich sie allesamt liebgewonnen. Im Folgenden wende
ich mich einmal gesondert an diejenigen aus ihrer Runde, die mir am
meisten Freude bereiten.
Lieber Olaf Scholz, danke für
Ihr wohlig-armes Rumscholzen in Momenten, in denen Sie auch einfach
Klartext reden könnten. In Ihren Reden finde ich in Zeiten von Krisen
immer die Gewissheit: Der mächtigste Mann des Landes weiß es am Ende
auch nicht besser als wir Bürger. Sie sind der lebende Beweis dafür,
dass man nicht alles regulieren muss in diesem Land: Eine Frage nach
einer Obergrenze für Amtszeiten im Kanzleramt stellt sich in Ihrem
Fall gar nicht.
Liebe Annalena Baerbock, danke für Ihre Reisen um die
Welt, von der Sie mir immer eine Geschichte zum Lachen mitbringen.
Egal, wie oft ich mich um 360 Grad drehe: Es gibt keine
authentischere Botschafterin für die feministische Außenpolitik, als
Sie es sind.
Lieber Marco Buschmann, als BVB-Fan kann ich Ihnen
aufrichtig bestätigen: Sie sind nicht das schlechteste, was aus
Gelsenkirchen kommt. Wer wie Sie die komplexen Gedanken von linken
Lieblings-Projekten in nüchterne Gesetzestexte gießt, hat den Wert
von Freiheit in diesem Land wirklich verändert. Und nicht ärgern
lassen: Noch 2-3 Prozent weniger in der Sonntagsfrage und die
Umfrage-Werte der FDP gehören zu den inneren Werten. Und darauf kommt
es ja schließlich an.
Liebe Nancy Faeser, ich weiß, Sie haben Probleme mit
Ihrer Verfassung. Deshalb hoffe ich inständig, dass Sie nicht
dauerhaft unter einer verbalen und mentalen Grenzverschiebung leiden.
Lassen Sie sich nicht verhöhnen – der Schutz der eigenen Verfassung
ist wichtiger als ein Job, den man nur noch maximal zwei Jahre
ausüben wird.
Lieber Robert Habeck – danke
für alles.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend!
Willi Haentjes
NIUS Chefredaktion
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